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Wozu braucht ein Keilrahmen Holzstückchen?

 

Im Mittelalter malte man auf Holztafeln. Daher kommt der Begriff „Tafelbild-Malerei" ...

 

 

Vor zehn Jahren wurde das Bild vom Lieblingskünstler erstanden. Nie wurden Sie es leid, dieses so wundervolle Gemälde zu betrachten, in dessen Gegenwart Sie sich immer so wohl fühlten. Und jetzt das. Risse! Hat der Maler wohl gemurkst, drängt sich als erstes auf. Vielleicht - muss aber nicht sein, denn für Rissbildungen an Ölgemälden gibt es mehrere Gründe.

 

Anfangs waren die Bilder noch klein, ca. 60 x 60 cm. Das Brett für eine Tafel wurde dem Kernholz, dem harten Mittelstück des Baumes, entnommen. Aus dem Kernholz wurden die "Herzbretter" gesägt, und diese wurden zu Tafeln verleimt.

 

Solange die Gemälde klein waren, ging das gut. Aber schon im 13. Jahrhundert gab es Bilder, die mehrere Quadratmeter groß waren.

 

Diese größeren Malgründe erhielt man, indem man entsprechend viele Herzbretter aneinander leimte. Laut Kurt Wehlte2 waren diese Tafeln handwerklich aber schlecht verarbeitet. Was verwundert, da man aus dem Schiffsbau weiß, wie perfekt die Handwerker damals Holzverbindungen bauen konnten. Auch musste jeder neue fertige Malgrund einer Zunft vorgelegt werden, und diese nahm den Malgrund ab, indem ihr Zunftzeichen auf der Rückseite eingebrannt wurde. Die Künstler konnten also nicht einfach Bretter aneinander kleben und dieses Konstrukt dann als Malgrund verwenden.

Die Folgen der mangelhaften Verarbeitung

Zwischen Wand- und Raumtemperatur ist durchschnittlich eine Differenz von 60 Celsius. Die unterschiedliche Temperatur und die Raumfeuchtigkeit bauten  Spannungen im Holz auf. Dort, wo die Verleimung am Schwächsten war, riss das Bild, oft wohl auch mit einem lauten Knall.

 

Das Problem war natürlich bekannt und man versuchte, es mit entsprechenden Verbesserungen zu umgehen. Man sollte hier auch bedenken, dass Bilder nicht für die „Nachwelt“ gemalt wurden. Es gibt noch einen Vertrag über ein Auftragsbild von Leonardo da Vinci, indem vertraglich festgelegt wurde, dass das Bild in der neuen Öl-Malweise mindestens zehn Jahre haltbar sein müsse.

 

Zwischen Wand- und Raumtemperatur ist durchschnittlich eine Differenz von 60 Celsius. Die unterschiedliche Temperatur und die Raumfeuchtigkeit bauten  Spannungen im Holz auf. Dort, wo die Verleimung am Schwächsten war, riss das Bild, oft wohl auch mit einem lauten Knall.

 

Das Problem war natürlich bekannt und man versuchte, es mit entsprechenden Verbesserungen zu umgehen. Man sollte hier auch bedenken, dass Bilder nicht für die „Nachwelt“ gemalt wurden. Es gibt noch einen Vertrag über ein Auftragsbild von Leonardo da Vinci, indem vertraglich festgelegt wurde, dass das Bild in der neuen Öl-Malweise mindestens zehn Jahre haltbar sein müsse.

Ein kluger Kopf hatte die Idee, dass man auch auf Leinwand malen und diese bemalte Leinwand dann auf einen Holzrahmen spannen könne. Dieser Holzrahmen ist der verbliebene Rest der Holztafel, auf die das Bild in früherer Zeit gemalt wurde. Daher nennt man ein Leinwandbild immer noch „Tafelbild-Malerei“.

Abwegig war die Wahl eines Tuches nicht, denn Segel und Fahnen waren auch aus Leinwand und wurden bemalt. Risse ergaben sich nun nicht mehr. Allerdings nimmt fast jedes Gewebe Feuchtigkeit auf. Die Fasern werden bei Leinen dann erheblich länger. Die Leinwandbilder lappten irgendwann im Rahmen am unteren Bildrand.

 

Das Bild musste folglich nachgespannt werden. Die vielen Nägel, die seitlich durch die Leinwand ins Holz getrieben waren, wurden vorsichtig gezogen, das Leinwandbild mit einer Spannzange festgehalten und wieder festgenagelt.

Ein weiterer findiger Kopf erfand die Steckverbindung am Keilrahmen. Die Keilrahmenschenkel werden zusammengesteckt, das Maltuch darüber befestigt, grundiert und bemalt. Hängt das fertige Bild nun durch, werden die Keile, die Holzstückchen am Keilrahmen, in die entsprechenden Spalten gesteckt und mit einem Hammer vorsichtig eingetrieben. Der Keilrahmen wird dadurch etwas größer und die Leinwand spannt sich so wieder. Das nervige Ab- und Aufspannen wird so durch einige Hammerschläge ersetzt.

Heutzutage braucht man nur noch sehr selten Keile und für Kaufleinwände noch seltener. Als Maltuch dient mittlerweile die billigere Baumwolle. Baumwolle zieht sich bei Nässe zusammen, sie wird enger, wie die frisch gewaschene Jeans.

 

Bei der oben abgebildeten Kauf-Leinwand sind die Keile überflüssig. Einfach schon deshalb, weil ihre Winkel zu stumpf sind. Triebe man diese in einen Rahmen, würde das Holz splittern.

 

 

 

 

Bild links, Keile.

Nur der rechte Keil ist in Ordnung.

 

 

 

Quellen:

2 Kurt Wehlte, Werkstoffe und Techniken der Malerei, 5. Auflage, ab Seite 21, Der Malgrund als Fundament.

 

©Gerhard Marquard, Landsberg am Lech, Juni 2017

Mein Text darf nur mit meiner schriftlichen Genehmigung verwendet werden.


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