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Bilder von Unterwegs

Jeder möchte von seiner Reise Erinnerungen mitbringen.

 

Nicht nur im Kopf,

sondern auch sichtbare Erinnerungen

zum Anfassen und Herzeigen ...

 


Altafulla, Spanien
Südwind

Wie gnädig ist da die digitale Fotografie gegenüber der analogen, die wir alle, noch mehr oder weniger bis etwa 2010, verwendet haben. Damals musste man zuerst den Film kaufen, fotografieren, dann entwickeln und Abzüge machen lassen. Aus einer gewissen Auswahl an Fotos wurden später die vergrößerten Abzüge u.a. für das Foto-Album nachbestellt. Je nach Qualitätsanspruch konnte das recht kostspielig werden.

 


Digitale Aufnahmen erlauben heutzutage, alles aufzunehmen was vor die Linse kommt, selbst Unsinniges wird belichtet. Findet die Impression im nach hinein keinen Gefallen, so wird dieses Foto eben gelöscht. Alles gratis, geeigneter Nährboden für die Sammlerleidenschaft. Oberflächliches Fotografieren ohne vertiefendes Erkennen oder Gewahr werden von Objekt oder Situation birgt die Gefahr des Sammelns von lediglich banalen Eindrücken. Das genaue Hinschauen verschiebt man auf die Selektion der Fotos nach Rückkehr von der Reise -  zu Hause, denn dann kann man sich ja in Ruhe anschauen, an welchen Plätzen man war.

Alicante, San Juan, Strand, Costa Blanca

Viele Fotos machen kostet Zeit. Vielleicht wäre der achtsame Spaziergang am Meer entlang erholsamer gewesen als die Jagd nach dem ultimativen Foto vom Meer?

Man kommt nun also aus dem Urlaub zurück mit einer Sammlung von hunderten von Fotos, die jetzt alle bewertet, aussortiert und gelöscht werden wollen.

Ein Fotobuch soll auch noch her – alles zusammen ein zeitintensives Unterfangen.

Manch einer fragt sich zu recht, wozu das alles? Wozu die kostbare Urlaubszeit mit der Jagd nach den ultimativen Urlaubsfotos vergeuden und in die Nacharbeit nochmals viel Lebenszeit investieren. Rechtfertigt diese den Erinnerungswert oder das „après-Erholungsfeeling“ beim Aussortieren? Lebenszeit ist kostbar.

Ich fotografiere auch gerne und vor allem auch im Urlaub. Wenn ich jedoch an meine vielen Fotos auf dem Dachboden denke, bin ich froh, dass ich ein anderes, individuelles und wertiges, System gefunden habe, um Eindrücke festzuhalten.


Schaue ich mir meine alten Fotos und Fotobücher an, dann erinnere ich mich immer noch gerne an den Urlaub. Aber beim Betrachten der vielen Fotos, mit denen ich einen sehr kostbaren Moment festhalten wollte um mich immer daran erinnern zu können, erlebe ich die Erinnerung im Jetzt als ob ich die damalige Situation aus der Aquariumsperspektive betrachte. Das Foto schwebend wie der Fisch im Aquarium, und ich drücke mir die Nase an der kalten Scheibe platt. Sehen und inneres Erleben gehen da für mich wie eine Schere auseinander.

Alicante, San Juan, Spanien, Costa Blanca
Strand bei San Juan, Alicante, Spanien

Meine Fotos vom Meer gaben mir später nie das Gefühl, mein Erlebtes in der Erinnerung nochmals tief erleben zu können. Da beim Betrachten immer eine kleine Enttäuschung oder eine offene Sehnsucht zurückblieb, schaute ich meine Fotos irgendwann nicht mehr an.

 

Aus dieser Erkenntnis heraus versuchte ich, das Gesehene stärker und nachhaltiger zu verinnerlichen und so begann ich, intensiver im Urlaub zu zeichnen und zu malen und nur noch „illustrierend“ zu fotografieren.

Castillo Tamarit, Altafulla, Costa Dorada, Spanien
Altafulla, Blick auf die Altstadt, Costa Dorada, Spanien
Am Strand von Altafulla, Costa Dorada, Spanien

Alles was man aufschreibt behält man auch besser in der Erinnerung. Diese Erkenntnis ist bestimmt nicht neu. Aber das gilt natürlich auch für visuelle Erlebnisse und dem Aufzeichnen des Gesehenen.

Altafulla, Costa Dorada, Barcelona, Spanien

Wer verreist und mit einer Unmenge an digitalen Fotos nach Hause kommt, hat seine Erinnerungen anders abgespeichert als jemand, der mit einem Skizzenbuch und Stiften ausgerüstet das Gelände, die Bauwerke, die Menschen, das Meer, die Berge zeichnerisch erkundet.

Ein Grund dafür könnte vielleicht sein, dass beim Prozess des Zeichnens eine sich tiefer ins Innenleben grabende Erinnerungsspur im Gehirn entsteht. Das, was der Zeichner vor sich sieht, muss er erkennen, verstehen, sich merken und mit den feinmotorischen Bewegungen seiner Hand in das Skizzenbuch zeichnen.

 

Jemand der ausschließlich fotografiert drückt hingegen nur auf einen Auslöser, und Situation oder Objekt ist digital auf einem Chip gespeichert.


Bin ich im Urlaub unterwegs, z.B. am Strand, zeichne ich oft nur. Das Kolorieren geschieht meist im Hotel bei passender Gelegenheit. Durch diese zeitliche Verzögerung erinnere ich mich während des Ausarbeitens meiner Blätter nochmals an die erlebte Situation. Wiederholen ist ein klassischer Lernprozess. D.h. die Erinnerung wird während des Malens im Hotel nochmals erinnert, nacherlebt und verarbeitet. Die Eindrücke des Gesehenen werden so tiefer verarbeitet als bei jemandem, der nur fotografiert.

Landsberg am Lech
Bad Heilbrunn, Waldrast
Landsberg am Lech

Natürlich benötigt man zum Skizzieren auch etwas Übung. Je nachdem, welche Ansprüche man stellt. Es gibt aber auch einige Kniffe, wie auch der Ungeübte zu passablen Ergebnissen kommen kann. Es ist auch eine Frage der Einstellung: möchte ich lebhafte Erinnerungsstücke mit nach Hause bringen oder Kunstwerke? Und ein Skizzenbuch lässt sich wunderbar mit eingeklebten Flugtickets, Eintrittskarten, Fotos und vielem anderen mehr ergänzen. Das gemalte und geklebte „Erinnerungsbuch“ ist dann vielleicht nicht perfekt, aber es sprudelt vor Erlebtem, ist interessant und individuell. Und ein Fotobuch kann man ja zusätzlich auch noch anfertigen - ich mache das auch.

Das Reise-Skizzenbuch, ein ideales Projekt für Männer!

Alicante, Costa Blanca, Spanien

Wir Männer kennen es alle. Wir sind im Hotel, es ist noch früh am Tag und wir wollen aufbrechen zum Fischen und Jagen, oder auch einfach nur runter zum Strand. Natürlich nicht ohne unsere Liebste, aber diese ist immer noch im Bad. Eine Geduldsprüfung für jeden Mann den ich kenne. Das Skizzenbuch kann aber das rettende Projekt (oder die rettende Beschäftigung) für den Wartenden und die Beziehung werden.

 

Solange die Frau noch beschäftigt ist kann nun der Mann in aller Ruhe seine Skizzen der vergangenen Tage nochmals begutachten, mit Buntstift oder Ölkreiden nochmals überarbeiten oder Zeichnungen ausaquarellieren.

 

Ich gehöre wirklich nicht zu den ganz geduldig Wartenden – aber wenn ich morgens im Skizzenbuch zeichne und male, vergesse ich Zeit und Raum, na ja, schließlich will ich mein Buch ja möglichst fertig mit nach Hause bringen.

 

Vorbei die vertrödelte Wartezeit. Man(n) ist erfüllt vom Skizzenbuch, den bemalten Seiten und vom Stolz, ein Werk zu schaffen.

 

Klar kann das „Skizzenbuch-Projekt“ neue ungeahnte Stresssituationen hervorrufen, nämlich dann, wenn der Mann zu seiner Liebsten sagt, “Schatz, ich bin gleich fertig!“ ;-)

Was benötigt man für das Erstellen eines Reiseskizzenbuchs – wie bereite ich mich vor?

Als Nicht-Zeichner sollte man sich bereits vor seiner Reise vorbereiten. D.h., die ersten Zeichenversuche sollten einige Monate vor dem Urlaub stattfinden.

 

Zeichnen lernt man durch zeichnen - also einfach loslegen (in meinem Artikel „Tinte laviert & "Wie lernt man Zeichnen?“ finden sich Ausführungen zu dieser Thematik).

 

Sollen die Zeichnungen und Bilder „kultivierter“ werden, empfiehlt es sich, einen Zeichenkurs zu besuchen.

 

Natürlich kann man sich auch Bücher kaufen und daraus lernen. Dafür sollte man die richtigen Bücher aber kennen. Es gibt viel Geschriebenes, das einem nur zu noch mehr Ratlosigkeit verhilft. Hat man die richtigen Bücher gefunden, sollten diese auch konsequent durchgearbeitet werden. Das gekaufte Buch ins Regal zu stellen mit dem Wissen, dass man nun jederzeit das Buch durcharbeiten und sich das nötige Wissen aneignen kann – was man aber in der Regel nicht bis zwei Wochen vor Reiseantritt tut – führt nicht zum gewünschten Erfolg, denn dann ist es eigentlich zu spät.

 

Resultierend aus meiner Kurserfahrung kann ich sagen, dass der große Frust bei den Lernenden auf unrealistischen Vorstellungen hinsichtlich des Qualitätsanspruchs ihrer Arbeiten basiert (mehr zu dieser Thematik in meinem Artikel „Zeichnen lernen“).

 

Für die ersten Versuche reichen anfangs einfache Druckerblätter und ein Bleistift oder Kugelschreiber völlig aus.

 

Unterwegs verwende ich am liebsten die Skizzenbücher der Firma „Kunst & Papier“. Auf dem Papier kann man gut zeichnen und auch mit Aquarellfarben gut illustrieren. Für Aquarellskizzen sind dann die Aquarellbücher dieser Firma gut geeignet. Dazu noch Stifte, Blei-, Buntstifte, Kreiden, natürlich einen Füller und Aquarellfarben.

 

Meine Kurse

In meinen Reiseskizzen-Kursen an der Kunstakademie EigenArt in Bad Heilbrunn gebe ich in 4 Tagen einen Überblick, wie man mit den Materialien umgeht, wie man Menschen skizziert, Bauwerke perspektivisch richtig zeichnet und wie mit nur drei Farben die Zeichnungen aquarelliert werden können.

Perspektivisches Zeichnen ist – meiner Erfahrung nach – für Frauen kein Herzensthema. Will man Gebäude zeichnen kommt man an diesem Thema aber auch nicht wirklich vorbei. Das in Perspektive-Lehrbüchern verwendete System nach Fluchtpunkten ist auch für den routinierten Zeichner beim Skizzieren zu aufwendig und zu abstrakt. Theorie und Praxis gehen hier sehr weit auseinander. Es gibt aber immer mehr als nur eine Wahrheit. Ich habe ein anderes, praxisnahes Perspektive-Lehrsystem für die Kurse entwickelt. Teilnehmerinnen, die nie den Zugang zum perspektivischen Zeichnen fanden, erlebten damit ihr Aha-Erlebnis.

 

Diesen Kurs kann man auch als Einführungskurs in die Aquarellmalerei buchen.

 

Alicante, Strand, Spanien

Im Kurs „Menschenskizzen in Aquarell“ lernt man die unterschiedlichen Herangehensweisen, insbesondere wie man Menschen zeichnet und aquarelliert. Von einer Einführung in die Proportionslehre, über einfaches Kritzeln bis hin zu ausgearbeiteten Figurenbildern wird das Thema im Kurs intensiv behandelt.

 

Landschaftsskizzen in Aquarell“ W. Turner reiste viel und malte ca. 2000 Aquarelle. In diesem Kurs analysieren wir die Arbeitsschritte seiner Bilder und wenden diese an eigenen Motiven an.

©Gerhard Marquard, Landsberg am Lech, Januar 2018

 

Mein Text darf nur mit meiner schriftlichen Erlaubnis verwendet werden. Auch eine auszugsweise Verwendung,

gleich welcher Art, ist verboten. Die Bildrechte der Fotos liegen bei mir.

 



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Kommentare: 1
  • #1

    Carl Weltwitz (Donnerstag, 14 Juni 2018 09:24)

    Der Skizzenblock ist in der Zeit der digitalen Bilderfluten, im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerkes, ein nützliches Mittel, um sich erlebte Eindrücke dauerhafter einzuprägen. Wie viele der massenhaft mit dem Smartphone 'geschossenen' Bilder landen nach ihrer Erzeugung in den Archiven der Speicherchips, ohne je wieder für Betrachtungen hervorgeholt zu werden.
    Viele Grüße