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Acrylfarben – selbst angerieben

selbstgemachte Acrylfarbe auf Papier
Milchstraße

 

Acrylfarben selbst herzustellen ist ganz einfach. Dabei haben die „Selbstgemachten“ auch noch Riesenvorteile, sie sind qualitativ unschlagbar und gegenüber den Kauffarben preiswerter.

Fangen wir aber von vorne an. Angenommen, Sie hätten ein Unternehmen und möchten Farben herstellen und verkaufen. „Der Gewinn steckt im Einkauf“, also kaufen Sie u.a. Farbpulver ein, aber auch etwas, um es zu verdünnen.

 

Jedes Produkt, ob es Wein ist oder Farbe, wird in der Regel gestreckt und damit weniger wertig gemacht. Die Schwelle, die es dabei zu erreichen gilt, nennt man die „Abbruchkante der Qualität“.  Das heißt, der Wein bspw. wird exakt mit so viel Wasser gestreckt, dass er noch genießbar ist und der Kunde es möglichst nicht bemerkt.

Acrylfarbe auf Papier
Neuschnee
Papierbild und Acrylfarbe
Blomberg
Schnee im Gebirge
Großer Arber

Was heißt das für die Acrylfarbe?

Gebirge im Winter
Alpenglühen

Am auffälligsten ist die Abbruchkante bei der weißen Farbe. Möchte man einen kräftigen Farbton mit Weiß übermalen, scheint dieser immer wieder durch. Die Farbe deckt kaum oder nur schlecht. Titanweiß jedoch, das Pigment, deckt sehr gut. Der Grund, warum die Kauffarbe schlechter deckt, ist, weil sie u.a. verdünnt wurde.

Die Herabsetzung der Qualität ist aber nicht nur der Gewinnmaximierung der Hersteller zu schulden. Der Kunde möchte eine Farbe kaufen, die wenigstens über die erste Zeit hinweg, gemeint sind meistens Jahre, flüssig und ge-brauchsfertig aus der Tube oder Flasche kommen

soll.

Um dieses hohe Ziel zu erreichen, werden der Farbe chemische Zusätze beigemischt, die mit Farbe nichts zu tun haben. Es braucht z.B. Zusätze für die anhaltend gute Streichfähigkeit der Farbe, und das darin enthaltene Wasser darf nicht schimmeln oder riechen.

Wolken über den Alpen, Acryl/Papier

Diese Zusätze verändern aber die Farbe. Es ist meine ganz persönliche Meinung, dass diese so aufbereitete Farbe schwieriger vermalbar ist. Man bemerkt das weniger, wenn man mit einem großen Pinsel gestisch malt. Möchte man aber Details malen, wie z.B. bei einem Portrait, wird man feststellen, dass man trotz handwerklicher Qualtitäten den Mangel an Farbqualität nicht ausgleichen kann. Hier muss man aber deutlich anmerken, dass der Hersteller im Bemühen um Qualitätssteigerung, die aber zwangsläufig eine Verringerung der Haltbarkeit der Farbe mit sich bringen würde, mit seinem Produkt scheitern würde.

Denn obwohl er im Rahmen der Möglichkeiten eine qualitativ hochwertige Farbe auf den Markt gebracht hätte, würde diese aufgrund der kurzfristigen Haltbarkeit vom Kunden nicht angenommen werden.

 

Das heißt nicht, dass ich nicht auch Farben aus der Tube und der Flasche verwende. Es ist oft praktischer. Allerdings kommen diese an die selbstgemachten Farben nicht heran.

Neumond über den Alpen, Acryl/Papier

Ein sehr einfacher Test beweist das.

Man nimmt zwei Kleckse Farbe, eine selbst angeriebene und eine Fertig-Farbe aus der Flasche oder Tube. Mit einer Spachtel zieht man die Farbe in einem Strich nach unten.

 

Man kann beobachten, dass die selbst hergestellte Farbe interessanter und „lebendiger“ wirkt, die Kauffarbe sieht steril aus. Außerdem „verklebt“ die Kauffarbe die Oberfläche (Malfilm). Wenn dieser einfache Test schon so eindeutig den Unterschied zeigt, dann ist die Wirkung der Farbe im Bild um so mehr davon betroffen.

Wie reibt man Acrylfarben selbst an?

Man braucht Farbpulver - Pigment -, etwas Wasser und eine Acryldispersion (Bindemittel). Es gibt unterschiedliche Dispersionen, man probiert sie am besten nach und nach durch.

Ultramarinblau, Fa. Kremer
Ultramarinblau, Fa. Kremer, Aichstetten
Wasserbehälter, Saliter Kaffee-Sahne
Ultramarinblau, Fa. Kremer, Pigment ansumpfen

Pigment anreiben
Acryldispersion, Lascaux
Acrylbinder
Acrylfarbe anreiben

Etwas Pigment gibt man auf eine Glasscheibe, dazu etwas Wasser, dann verreibt man das Pigment mit dem Wasser, jetzt kommt das Bindemittel dazu.

Rotes Pigment anteigen
schlechte Benetzbarkeit von Pigmenten
Pigment mit einem Netzmittel anreiben

schlecht benetzbares Pigment mit Netzmittel anreiben
schlecht benetzbares Pigment mit Wasser und Alkohol anreiben
Pigment mit Acryldispersion

Es gibt Pigmente die sich mit dem Wasser nicht verbinden wollen. Hier spricht man von der „Benetzbarkeit“ des Pigments („gut/schlecht benetzbar“). Dem Wasser gibt man einen Tropfen „Netzmittel“ hinzu, dann lässt sich das Pigment gut „ansumpfen“.

Um ein Gefühl für die Menge an Bindemittel zu bekommen, kann man die hergestellte Farbe auf ein Papier streichen und am nächsten Tag mit einem weißen Tuch leicht darüber streifen. Färbt sich das Tuch, dann ist die Farbe nur leicht gebunden. Je kräftiger man reiben kann, umso stärker ist sie gebunden.

 

Wenigstens die weiße Farbe empfehle ich, selbst anzureiben. Die weit bessere Deckkraft entschädigt den geringen Aufwand.

Da die Farbe mit einer Spachtel von Hand angerieben wird, verbinden sich die Flüssigkeiten und das Pigment nur unregelmäßig bzw. nicht perfekt. Das lässt die Farbe im Bild lebendiger erscheinen. Die Kauffarbe wird mit Walzen präzise ineinander vermalen.

 

Die selbstgemachte Farbe ist sehr farbintensiv und deckend. Das heißt, das Übermalen eines Bildes oder die Farbmischungen sind mit weniger Farbe zu meistern. Es ist also auch ökonomisch gedacht eine kluge Entscheidung.

Acrybild, die Kinder des Ikarus, Acrylfarbe auf Leinwand
Die Kinder des Ikarus

Ich habe Bilder mit Acrylfarben gemalt, die auf den ersten Blick von einer Temperamalerei nicht zu unterscheiden sind. Die selbstangeriebenen Farben trocknen auch nicht so schnell wie die Kauffarben. Gerade bei großformatigen Bildern ist die selbstgemachte Acrylfarbe eindeutig ein überzeugendes Medium.

 

Ich persönlich finde, dass der „Malfilm“ auf Bildern mit den selbstgemachten Farben ansprechender und offener ist, als bei denen, die mit Kauffarben gemalt wurden (s. das Experiment mit den Klecksen). Selbstangeriebene Farben wirken auf dem Bild „satter“. Es ist, als ob vom Bild mehr zu sehen wäre, als bei einem mit den Fertigfarben gemalten.

Möchte man Farbe nur für Studienzwecke verwenden und die teuren Pigmente „verdünnen“, dann kann man das mit Marmormehl auch selbst machen und kontrolliert dabei die Qualität seiner Farben. Kauffarben können aber auch mit wenigen Handgriffen und Pigmenten qualitativ gesteigert werden.

 

Wer eine kleine Grundausstattung an Pigmenten kaufen möchte, kann diese von der Firma Kremer beziehen. Meine Kursteilnehmer loben diese „Starter-Sets“ sehr.

 

Wer Pigmente und Bindemittel verwenden möchte, bezieht diese am besten von einem Fachgeschäft, das auch Restauratoren und Kirchenmaler bedient. Man erhält dort immer eine verlässliche Qualität zu einem vernünftigen Preis. Hier kann ich nochmals die Firma Kremer empfehlen.

Tulpenblatt, Acryl, Papier
Tulpenblatt
Tulpen, Acryl/Papier
Tulpen

©Gerhard Marquard, Landsberg am Lech, Februar 2019


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