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Inseln im Strom der Zeit


Robinsonaden

13. Woche - 23. bis 29. März


Aufgrund von Corona sollen wir in den Häusern bleiben.

Erlaubt sind Spaziergänge, mit und ohne Hund, mit und ohne PartnerIn, Fahrten zur Arbeit, zum/zur LebensgefährtenIn, Einkaufen, Besorgungen und Behördengänge erledigen.

Joggen darf man auch.

Arrest, Quarantäne, Ausgehverbot sind in einem gewissen Sinn eine Form von „Inselleben“.

Es gibt viele Varianten von „Inselleben“ - den Robinsonaden.

 

Auf Robinson Crusoe will ich hier nicht eingehen, denn fast jeder kennt ihn. Den Begriff „Robinsonade“ allerdings hat der Protagonist dieser Erzählung geprägt.

Zu Robinson gab es eine überlieferte, angeblich wahre Begebenheit.

 

Ein renitenter Seemann wurde alleine auf einer Insel ausgesetzt. Nach, ich glaube, zwei Jahren Inselleben, wurde er von einem Schiff aufgegriffen, das auf seiner Insel Frischwasser bunkern wollte. Robinson sah so verwildert aus, dass der Versorgungstrupp auf ihn schoss, in der Annahme, er sei ein Ungeheuer. Zurückgebracht nach Schottland, schwärmte er danach immer von seinem freien Inselleben. Bis er irgendwann aus seiner Heimatstadt verschwand.


Montag, 23. März

Gauguins Traum ...

zwei Palmen, strand, meer, eine hängematte und eine person liegt darin
Inselträume

Rohrfederzeichnung, Tinte, Papier, A4

 Jeder von uns kennt ihn, den Traum vom Inselleben.

In der Realität kann der natürlich ganz anders aussehen. So erging es dem Maler Paul Gauguin. Nach seinem Ausstieg als Börsenhändler und dem Bruch mit der Familie träumte er vom einfachen Leben in der Südsee.

 

Vermutlich darf sich hier unter„einfach“ jeder etwas anderes vorstellen.

Er träumte davon, wie er mit einem Auslegerboot auf das Meer hinaus paddeln würde,

um dort zu fischen. Dummerweise stellte sich heraus, dass er aber ein schlechter Angler war. Letztendlich musste er von teuren Konserven leben und dem,

was er den Polynesiern abkaufen konnte. Gauguin stand nur wenig Geld zur Verfügung.

Wie viele Menschen zu dieser Zeit, so trank auch Gauguin Absinth.

Absinth würde heutzutage unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

Gauguin setzte sich sehr für die Polynesier ein und legte sich mit den französischen Behörden massiv an. Mit Absinth getrübtem Verstand konnte sein Unterfangen nur konfliktreich und ohne Aussicht auf Erfolg enden.

 

Sein ursprünglicher Plan war: Er lebt auf der Insel und malt Bilder, die dann sein Vertreter in Paris vermarktet. Seine Bilder sollten als eine Art Salon-Kunst an Herrenklubs verkauft werden. Das Konzept hätte sicherlich mit Erfolg umgesetzt werden können, wenn nicht seine Bilder ihrer Zeit extrem voraus gewesen wären.

 

Der „Inseltag“

Eine spezielle Form eines Inseltages kennen wir vermutlich alle. Ein beseelter Tag, der wie eine Insel im Meer unserer Erinnerung liegt. Eine Insel, zu der wir jederzeit zurückkehren können in unserer gedanklichen Vorstellung.

Zum Insel-Thema kann ich den Roman

"Der Strand" - "The Beach", von Alex Garland, empfehlen.

 

Der Psychologe Mathias Niggehoff hat einen weiteren Inselgedanken:

Man möchte nur noch weg, weil man glaubt, dass das Leben auf einer speziellen Insel viel besser sei. Man baut ein Boot und segelt hin. Dort angekommen muss man aber feststellen, dass nichts so ist wie erhofft. Der ganze Aufwand für eine Illusion, die wie eine Seifenblase zerplatzt. Mit mehr Information und Vorbereitung wäre vielleicht eine passendere Insel erreichbar gewesen.


Dienstag, 24. März

Der erste "Turmschreiber"

Montaigne, Scriftsteller, Portrait
Der Essayist
Portraitzeichnung, Montaigne
Der Denker im Turm

Michel de Montaigne, 1533 bis 1592.

Sein Leben begann schon mit einem "Versuch".

Sein wohlhabender Vater gab den Säugling zu einer einfachen Amme, dort verbrachte er seine ersten drei Lebensjahre. Danach holte ihn der Vater zurück, stellte einen Privatlehrer für die Ausbildung seines Sohnes ein, und die Konversation erfolgte ausschließlich lateinischer Sprache.  Selbst Eltern und Angestellte unterwarfen sich dieser Umgangsform, sofern sie ihrer mächtig waren.

Als Erwachsener besaß Montaigne in einem Turm eine umfangreiche Bibliothek, in die er sich

gerne zurückzog. In seinem Turm entwickelte er eine neue Form der Literatur, das Essay - den Versuch. Er entnahm einer Schrift einen Satz und schrieb seine Ansichten und Gedanken dazu. 


Mittwoch, 25. März

Das verschwundene Dorf

Federzeichnung, Dorf in einer Lichtung, von Wald umgeben
Das vergessene Dorf

Während des 30-jährigen Krieges soll es zwischen Landsberg am Lech und dem Ammersee

ein Dorf mit einem pfiffigen Bürgermeister gegeben haben.

Das Dorf lag im Wald und war nur über eine einfache Straße zu erreichen.

 Diese Straße ebneten die Bewohner ein und bepflanzten sie.

Während des Krieges blieb das Dorf in Vergessenheit.

Nach der Überlieferung aber soll ein schwedischer Offizier es einmal entdeckt haben.

Offizier und Pferd galten von da ab als "vermisst".


Donnerstag, 26. März

Der Philosoph im Wald

Zeichnung, Bäume, Haus, Thoreau am Waldensee
Waldensee

Henry David Thoreau, 1870 - 1962.

Sein Buch "Walden - oder das Leben in den Wäldern" hat ihm Berühmtheit verliehen.

Zwei Jahre lang lebte er zurückgezogen am Walden-See auf einem

Grundstück, das dem Dichter Emerson gehörte. Das Buch ist immer noch lesenswert.

Seine Beweggründe, warum er sich für eine alternative Daseinsform entschied,

sind immer noch aktuell.

Thoreau lebte aber nicht ganz abgeschieden. Die nächste Stadt war leicht zu Fuß zu erreichen.

Emerson beschrieb ihn u.a. so, dass er seinen Mitmenschen fortlaufend widersprach.

Und das erinnert mich an ein Gespräch, die ein Freund von mir mit seiner Tochter führte.

Ihre Zensuren in der Schule waren schlecht, obwohl die Tochter ein aufgewecktes Kind war. Ihre Antwort betreffs ihrer Noten war: "Weißt du Papa, Klugscheißer mag keiner" ;-)


Freitag, 27. März

Die Freiheit beginnt im Kopf

Mann im Gefängnis, schreibend, denkend, Bäume an die Wände gemalt
Der freie Geist
Zeichnung, Mann in Gefängnis, freier Geist im Kopf
Der Körper ist nur Hülle

Stephen R. Covey schreibt in seinem Buch "Die sieben Wege zur Effektivität"

über das Verändern der inneren Skripte.

U.a. wie Anwar Sadat, der frühere Präsident von Ägypten, seinen tiefen Hass

gegen eine benachbarte Nation zu einer versöhnlichen Einstellung veränderte.

Er lernte das Verändern innerer Skripte in der Einzelhaft.

Eingesperrt wurde er wegen seiner Beteiligung an einer Verschwörung gegen König Faruk.

Er lernte in dieser Isolation, sich von seinem Denken so weit zu lösen, dass er erkennen konnte, ob ein Handlungsmuster für ihn gut oder schädlich war.

In seiner Autobiografie schrieb er, dass es ihm widerstrebte, seine Zelle wieder zu verlassen, da er dort gelernt habe, was wirklich wichtig sei im Leben.

(S. 96, 97, Die sieben Wege zur Effektivität, Stephen R. Covey, Campus Verlag, 6. Auflage 1995,

Aus dem Engl. Angela Roethe)

 

Das Buch des österreichischen Psychiaters Victor E. Frankl "Trotzdem Ja zum Leben sagen"

möchte ich hier ebenfalls vorstellen.

Frankl war im KZ Ausschwitz und Kaufering bei Landsberg inhaftiert.

In seinem beeindruckenden Buch beschreibt er seine Zeit im KZ.

Ein Buch ohne Vorwürfe. Während der Zeit seiner Inhaftierung erkennt er,

dass seine innere Freiheit größer ist als die seiner Wärter. Diese sind zwar geografisch frei,

aber geistig eingesperrt. Seine geistige Freiheit erlaubt es ihm,

erduldete Erniedrigungen als unwichtig zu bewerten.


Samstag, 28. März

Die "Insel" in den Alpen

Zeichnung, Portrait, Tinte, Frau-in sich gekehrt
Die unbekannte Erdulderin

Marlen Haushofer und ihr Buch "die Wand". Eine sehr spezielle Robinsonade.

Eine Frau übernachtet im Gebirge in einer Jagdhütte. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, stellt sie fest, dass sie von der Außenwelt durch eine unsichtbare gläserne Wand getrennt ist. Die Menschen außerhalb der gläsernen Wand sind wie Puppen erstarrt.

Der Roman erzählt, wie die Protagonistin überlebt.


Sonntag, 29. März

Was soll's ...

Frau mit rotem Haar und cocktail in der Hand sieht beobachtend zum Betrachter
keep cool, baby

... auch der Irrsinn dieser Wochen geht vorbei!


Kunst-geht-so!

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