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Tusche Zeichnung


Die Federzeichnung

Der große künstlerische Vorteil einer Federzeichnung liegt in der Klarheit der Linien, sie sind wie Schnitte, so scharf. Das Dargestellte kann durch den sauberen und glatten Strich exakt und ausdrucksstark gezeichnet werden.

Federzeichnungen sind mit einem gewissen Kalkül auszuführen, da jeder Strich sitzen sollte. Tinte lässt sich nicht wie ein Bleistiftstrich wegradieren.

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Die Zeichentechnik

Mit einer Zeichenfeder zeichnet man mit Tinte oder Tusche auf Papier. Sowohl die Tinte als auch die Tusche durchdringen dabei das Papier. Jeder Strich sollte sitzen, da eine „unsichtbare“ Korrektur, wie beim Bleistift, kaum möglich ist. Um die Tinte zu entfernen, kann der Zeichner das Papier mit Hilfe eines Tintenradierers oder einer Klinge nur abschaben oder mit Deckweiß übermalen.

Sind Tuschezeichnungen für einen Anfänger empfehlenswert?

Das ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Jemandem, der alles immer sofort und perfekt können möchte, rate ich eher ab. Kann sich der Anfänger, aufgrund seiner Mentalität, in die Materie einfühlen und mit einer Entdeckerfreude zeichnen, dann sollte er es versuchen. Dem vorsichtigen „Beginner“ rate ich zu auslavierten Füllerzeichnungen, klicke hier.

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Tusche-Tintenzeichnung, abstrakt, braune, blaue tusche

Zeichenfedern

Rohrfedern – dieser Federtyp aus Schilfrohr wurde schon in der Antike benutzt und ist leicht selbst herzustellen. S. dazu meinen Blogartikel Rohrfeder, klicke hier.

 

Federkiel – aus der Schwungfeder einer Gans kann man eine Schreib- oder Zeichenfeder zuschneiden. Das kleine Messer des Taschenmessers war für diesen Zuschnitt vorgesehen, das sogenannte „Federmesser“.

 

Metallfedern – die sind am weitesten verbreitet. Die Metall-Zeichenfeder wird in einen Federhalter gesteckt.

 

Stahlfedern – diese können auf dem Papier „kratzen“. In der Regel gibt es beim Kratzen Tintenspritzer, die selten schick aussehen.

 

Ich verwende zum Zeichnen die Zebra-Comic-Feder aus Titanium. Sie kommt aus Japan und ist eine weiche Zeichenfeder.

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Zeichen- und Schreibfedern

 Das soll nicht heißen, dass man mit einer Schreibfeder nicht zeichnen darf. Welche Zeichenfeder zu dir und deinem Zeichenstil passt, musst du herausfinden. Ich kaufe immer eine neue Feder dazu, wenn ich welche in einem Geschäft sehe. Notiere dir aber, aus welchem Laden welche Feder stammt, falls du nachordern möchtest. ...

Pinsel – anstatt mit einer Zeichenfeder kann man auch mit dem Pinsel und Tusche zeichnen. Lasse dich inspirieren von Zeichnungen der asiatischen Tuschezeichner.

 

Tinte- & Tuschezeichnung

Der Unterschied zwischen einer Feder- und einer Tuschezeichnung

 

Die Tuschezeichnung wird immer mit Tusche gezeichnet,

aber das Werkzeug kann variieren: Feder, Rohrfeder, Pinsel, Lappen, Stöcke, ...

 

Die Federzeichnung wird mit einer Zeichenfeder ausgeführt, dabei kann Tinte, verdünnte Aquarell- oder Acrylfarbe oder eine der modernen Acryltuschen/-tinten verwendet werden.

 

Das Bindemittel in einer Tusche ist entweder eine Schellack- oder eine Kunstharzlösung, die sie wasserunlöslich, also irreversibel macht.

Nach dem Trocknen ist die Tusche fest mit dem Papier verbunden.

Schellack wird aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus gewonnen. Dazu werden die Tiere auf geeigneten Pflanzen abgesetzt.

 

Die Tinte fließt mit Wasser sofort aus, das kennen wir noch alle von unseren Schulheften. Künstlerisch kann man diese Fähigkeit zu seinem Vorteil nutzen, indem man seine Zeichnung laviert.

Tinten gab es schon im antiken Ägypten. Das Bindemittel einer Tinte ist Gummi Arabicum. Es wird fast ausschließlich aus dem Sudan importiert, es wird aus dem Saft von afrikanischen Akazien gewonnen.

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Licht und Schatten

Um die Hell-Dunkelwerte wiederzugeben, ist die Schraffierung die bekannteste Methode. Die Federzeichnung erinnert daher an grafische Techniken, wie die Radierung oder den Kupferstich.

Die Linienführung, die gekonnte Wiedergabe der Hell-Dunkelwerte und die Übergänge (Mittelwerte) von den hellen zu dunklen Tonwerten sind die Merkmale einer überzeugenden und künstlerisch hochwertigen Federzeichnung.

Am häufigsten sieht man die 45-Grad-Schraffur:

Dunkler wird die Fläche, wenn diese 45-Grad-Schraffur gespiegelt auf die erste Schraffur gesetzt wird. Man überarbeitet mit horizontal-vertikalen und diagonalen Linien solange eine Fläche, bis der gewünschte Grad an Dunkelheit erreicht ist.

Die Übergangswerte von den Licht- zu den Schattenflächen müssen dabei berücksichtigt werden.

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Lavieren

Statt der aufwendigen Schraffur, die einiges an Erfahrung erfordert, können die Licht- und Schattenwerte mittels verdünnter Tusche/Tinte mit einem Pinsel aufgemalt werden.

Hier wird es für den Zeichen-Anfänger interessant. Ich wage zu sagen, dass man fast nicht so schlecht zeichnen kann, als dass es laviert nicht doch noch gut aussieht – irgendwie.

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Weitere Vorteile des Lavierens

Soll aus einem gezeichneten Kreis eine Kugel werden, dann klappt das nur mit Hilfe des Hell-dunkel-Kontrastes.

Um aus der flachen Zweidimensionalität die Illusion der in die Tiefe gehenden Dreidimensionalität eines Gegenstandes zu erschaffen, braucht es Licht und Schatten.

Die Schattenseiten deute ich mittels einer Schraffur an.

Um die Schraffur überzeugend einzusetzen braucht es Übung, aber auch eine Vorstellung davon, wo und wie schraffiert werden soll. Schraffieren halte ich für den anspruchsvollsten Teil in der Kunst des Zeichnens.

 

Tinte-laviert ist intuitiv zu verstehen und verschafft dir ein Gefühl dafür, welche Formen schraffiert werden können.

Mit dem Lavieren wachsen deine Zeichenfähigkeiten und das Verständnis für den Hell-dunkel-Kontrast. Lese hierzu meinen Artikel Tinte-laviert, klicke hier.

Die Tuschezeichnung laviert man, indem man Wasser und Tusche entsprechend verdünnt und mit einem Pinsel ausmalt. Das ist ähnlich wie beim Aquarell.

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Der Aufbau einer Tuschezeichnung

– eine Anleitung aus dem Mittelalter

 

Cennino Cennini und die drei Nüsse für ...

... die Tuschezeichnung

 

Cennino Cennini (ca. 1370 bis ca.1440) war ein italienischer Maler. Cennini schrieb ein Buch über die Malerei, das Libro dell’arte o trattato della pittura, es wird bis zum heutigen Tage (auch auf Deutsch) nachgedruckt, was deutlich macht, welch immensen kulturellen Wert es besitzt.

Cennino beschreibt darin das Wissen, über welches der Maler der damaligen Zeit verfügen musste.

Über die Tuschezeichnung schreibt er:

Nehme drei Haselnüsse, fülle die erste fast ganz mit Wasser, die anderen, nach Gefühl, mit weniger Wasser. Gebe in die erste Nuss einen Tropfen Tusche ...

Mit dieser stark verdünnten Tusche konnte der Maler vorskizzieren. Diese zarten, transparenten Federstriche konnten auf Pergament abgeschabt werden. Den Bleistift gab es noch nicht.

 

Ich halte mich immer noch an diese Vorgabe des Meisters, allerdings lasse ich die Nüsse bei „Aschenbrödel“ und verwende stattdessen die Aquarellpallette. Kleine Gefäße waren damals Mangelware, so griff man auf das zurück, was einfach zu bekommen war. Der Zeichner verwendete Nuss

 

schalen, der „Schreiber“ legte seine Schreibfeder in einem Kuhhorn ab. Im Horn befand sich auch die Tinte.

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Pinselzeichnungen & Stangentusche

Stangentusche ist die hervorragende Erfindung aus Asien. Das Clevere daran ist, dass die Tusche in fester Form hergestellt wird. Stangentusche sieht aus wie ein Schokoriegel.

Die flüssige Tusche entsteht durch das Verreiben der Stangentusche und Wasser in einer Reibeschale.

 

Der Vorteil der Stangentusche

Stelle dir vor: Zu einer Zeit, als das Schraubdeckelglas noch nicht erfunden war, der Schreiber aber seine Tusche bis zum nächsten Ort mit sich führen musste...

Öffnete sich unterwegs die Abdeckung des Gefäßes, dann schwammen die Papierstücke in der Tusche.

Mit der Stangentusche waren diese Malheures vermeidbar. Die Tusche wurde vor Ort einfach angerieben und Wasser gibt es fast überall.

 

Zum Schreiben und zum Zeichnen wurden ausschließlich Pinsel verwendet. Die großartigen Pinselzeichnungen der Chinesen und der Japaner sind weltberühmt, lasse dich inspirieren.

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Reibeschale mit stangentusche

Farbige Tinten und Tuschen

Die wichtigsten Farben der Tinten/Tuschen

 

Die Klassiker

Schwarz – Ruß als Pigment

Bister – eine braune Tinte aus Buchen-, Kiefern- oder Weidenholzruß.

Sepia – ist ein angenehmer brauner Farbton, der aus dem Sekret der Tintenfische hergestellt wird. Sepia wird auch als Farbstoff in der Nahrungsmittelindustrie verwendet.

 

Es gibt mittlerweile viele und sehr schöne farbige Tuschen.

Mein Favorit: Ginster.

 

Füllerpatronen

Auch für den Füller gibt es farbige Patronen, die einer lavierten Füllerzeichnung den gewissen Kick geben können.

Speziell für die Reiseskizzen oder die Urban Sketcher sind die farbigen Tinten in Patronenform eine angenehme Ergänzung.

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Farbe und Mischtechniken

Ähnlich wie bei den kolorierten Kupferstichen, so kann auch hier eine Mischtechnik Farbe in die Zeichnung bringen. Die Tuschezeichnung fließt nicht aus und kann daher gut mit Aquarellfarben überarbeitet werden. Aber auch mit Blei-, Bunt-, Filzstiften oder Markern kann die Zeichnung zu einem Hingucker werden.


Inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 18 Abs. 2 MStV ist, 

Gerhard Marquard, Josef-Kloo-Str. 1 1/2, 86899 Landsberg am Lech, Mai 2022

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