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Chiaroscuro

 

 

Die Hell-Dunkel-Malerei (Chiaroscuro) zeichnet sich durch einen harten Licht-Schatten-Kontrast aus. Meistens steht ein Objekt im Vordergrund und ein extrem dunkler Hintergrund schafft die räumliche Tiefe ...

  Die berühmtesten Vertreter dieser Malerei waren Caravaggio und Rembrandt van Rijn. Der 35 Jahre später geborene Rembrandt hat sich von den Bildern Caravaggios inspirieren lassen und u.a. daraus seinen eigenen Stil entwickelt.

 

Die Hell-Dunkel-Malerei kann man vergleichen mit der heutigen Lichtregie bei Film und Theater.

 

Eine Alltagssituation oder ein Gegenstand wird vergleichbar mit einem Bühnenbild inszeniert. Die Show, die Botschaft des Bildes, wird als sehr helle Lichtfläche dargestellt, der Hintergrund gestaltet sich als dunkler Bildträger. So können sehr simple Objekte, wie z. B. die Malmittelgläser aus meinem Atelier, in Bilder verwandelt werden.

Ein Sommertag im lichtdurchflutetem Atelier, ein plötzlicher Wetterumschwung, der das Atelier in Dunkelheit hüllte, war Inspiration zum Malen der Gläser. Ein letztes Sonnenlicht erhellte mein Atelier, das Licht fiel darauf und der Rest des Ateliers hüllte sich in Schatten. Der Hell-Dunkel-Kontrast inspirierte mich zum Malen der Szene.

Obwohl meine Malmittelgläser als Gebrauchsgegenstände – schmutzige, farbverschmierte, klebrige Gläser, in denen das harzige Malmittel gemischt wird – keine Beachtung finden, so können sie in der künstlerischen Darstellung in der Hell-Dunkel-Malerei variieren und dem Betrachter ihr scheinbar eigentümliches Wesen - bizarr, lebendig, geheimnisvoll – offenbaren.

 

Die hellen Gläser vor dem dunklen Hintergrund lassen eine übertriebene Licht-Schatten-Situation entstehen. Durch diesen starken Kontrast wird der dunkel gemalte Hintergrund aus der Wahrnehmung des Betrachters ausgelöscht.

Schon die alten Griechen haben ihre menschlichen Stein-Abbilder übertrieben und als Übermenschen dargestellt. Bei Hell- und Dunkel-Darstellungen ist das nicht anders. Unwichtiges wird ausgeblendet, das Wichtige wird in Licht gehüllt und im Spotlight gezeigt. Ein kurzer Blick genügt um das Wesentliche wahrzunehmen.

 

Wie bei einer Theateraufführung, in der man gebannt auf Bühne und Akteure schaut, soll der Kunstbetrachter beim Anblick eines (Hell-Dunkel-) Gemäldes sich von der Malerei einfach nur mitziehen lassen.

 


© Gerhard Marquard, Landsberg am Lech, März 2017

Mein Text darf nur mit meinem schriftlichen Einverständnis verwendet werde


Kurs: Kunstakademie Eigenart, Bad Heilbrunn

18. bis 22. Juni 2018

Kunst-Kompass-Nord


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Kommentare: 2
  • #1

    Sabine Obermaier (Sonntag, 02 April 2017 01:19)

    Chiarscuro spricht mich sehe an.
    Freue mich jetzt schon auf Nov. in Brixen.
    Mein eigenes "Bunte November"-Projekt in dem entsprechender zeitl. Koordination
    Dein Blog wieder cool �

  • #2

    Gerhard (Mittwoch, 05 April 2017 22:06)

    Vielen Dank, Sabine