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Aquarellfarbe aus Heidelbeeren (Fr, 21 Mai 2021)
Heidelbeer-Aquarellfarbe DIY-Anleitung Den Farbstoff für die Naturfarben erhältst du durch Kochen von Pflanzen wie Mohnblumen für die Farbe Rot oder Heidelbeeren für Dunkelrot. Weitere Farbtöne erhältst du durch Kochen bspw. von Ringelblume, Spitzwegerich oder Avocado, probiere es einfach aus. Für Kinder eine Abwechslung Ich erkläre dir hier, wie du selbst eine anspruchslose Aquarellfarbe herstellen kannst. Ist das Wetter schlecht, deine Kinder oder Enkel aber voller Tatendrang, dann ist dies vielleicht deine Rettung ;-)   (Wie man eine gute Aquarellfarbe für künstlerische Ansprüche herstellt, erkläre ich später in einem separaten Artikel). Wozu Farbe Selbermachen? Die selbsthergestellte Farbe oder Tinte hat ihren speziellen Reiz, weil sich dein Empfinden für die Farbe dadurch verändert. Du drückst nicht einfach nur auf die Tube, sondern du hast vom Aussuchen des Materials bis zum Abfüllen der Farbe alle Stadien durchlaufen. Natürlich kommen dir dadurch auch weitere Ideen, da du mehr über das Medium weißt. Das Naturskizzenbuch Beobachtest du das Jahr durch Führen eines Naturskizzenbuchs, dann hat das Herstellen von Tinten und Farben aus den Pflanzen, die es im entsprechenden Monat oder Quartal gibt, natürlich nochmals einen besonderen Reiz. Mehr zum Thema Naturskizzenbuch kannst du in einem der nächsten Blogartikel lesen. Die Farbwerkstatt Du brauchst: Topf Heizplatte Wasser Nelke Gummi Arabicum Gläser für die Farbe
Das Grundrezept Es ist bei Naturfarben meistens ähnlich: Du gibst die Pflanze, hier die Heidelbeeren, in den Topf und das Wasser hinzu. Die Pflanzenstücke sollen komplett mit dem Wasser bedeckt sein, aber nicht mehr. Ist zu viel Wasser im Topf, dann wird die Farbe eventuell zu dünn.   Du kochst die Menge kurz auf und lässt sie leicht simmern. Achte darauf, dass das Wasser keine Blasen schlägt. Nach ca. einer halben Stunde sind die Heidelbeeren ausgekocht. Den Sud kannst du noch über Nacht stehen lassen, da die Farbe dadurch satter werden wird. In der Praxis habe ich nie eine Veränderung im Tonwert feststellen können.   Danach siebst du den Sud durch einen Teefilter. Da er eventuell noch Pflanzenrückstände enthält, seist du ihn besser nochmal durch einen Kaffeefilter ab. Da dieser „Farbe“ noch das Bindemittel fehlt, also der „Kleber“ zwischen Farbe und Malgrund, geben wir jetzt diesen dazu.
Gummi Arabicum Du kennst es von Briefmarken; die „gummierte“ Seite klebt, wenn sie befeuchtet wird. Tabletten-Dragees, die beim Einnehmen leichter „rutschen“, sind ebenfalls mit Gummi Arabicum überzogen (E 414). Es wird aus dem Saft der afrikanischen Akazie hergestellt. Die Drogerie von nebenan hat es vielleicht nicht, aber du kannst es notfalls über das Internet einfach beschaffen.   Gummi Arabicum ist als Bröckchen, als Pulver, und in Wasser aufgelöst in Flaschen erhältlich. Ich rate dir zum Pulver. In Wasser aufgelöst wird das Gummi zu einer glitschigen, klebrigen Masse. Mit einem Strohhalm, der Maler nimmt den Pinselstil, tropfst du etwas von dem Pulver in die warme Heidelbeerflüssigkeit. In der noch warmen Farbe vermischt sich das Gummi besser mit dem Sud. Wie viel Bindemittel muss in die Farbe? Das ist unterschiedlich, daher macht man die „Anstichprobe“. Streiche Farbe auf das Papier, lasse sie trocknen, dann nehme ein Blatt von der Küchenrolle und wische etwas über die Farbe. Geht die Farbe ab, dann gebe weiteres Bindemittel zu. Abfüllen Koche die Gläser, in die du die Farbe füllen möchtest, vorher aus. Wenn du beim Abfüllen der Farbe in die Gläser die Nelke hinzugibst, hält die Farbe länger. Die abgefüllten Gläser lagerst du im Kühlschrank.
Lichtechtheit Heidelbeerfarben sind Naturfarben, das bedeutet, sie sind nicht besonders lichtecht. Im Laufe der Zeit, das kann schon nach einer Woche sein, sieht die Farbe anders aus, meistens heller oder dunkler, oft bräunlicher. Lese dazu auch meinen Artikel Heidelbeer-Pigment/William M. Turner. Für Meisterwerke, die du verkaufen möchtest, greifst du besser auf die Farben der entsprechenden Hersteller zurück oder verwendest gutes Pigment dafür. Lassen sie Kinder nie unbeaufsichtigt, wenn heiße Gegenstände oder Flüssigkeiten im Raum sind. Quelle: Gebhard Schmidl, Klasse für Maltechnik, Akademie der bildenen Künste, München, 1990-1994     Inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 18 Abs. 2 MStV ist,  Gerhard Marquard, Josef-Kloo-Str. 1b, 86899 Landsberg am Lech, 21. Mai 2020 Mein Text darf ohne meine schriftliche Erlaubnis nicht in Kursen o.ä. verwendet werden. Auf Sozialen Medien darf dieser Artikel ohne Erlaubnis geteilt werden.  
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Farb-Pigment aus Heidelbeeren (Sat, 10 Apr 2021)
Naturfarben Farbe aus Heidelbeeren geht das? ... ja.   Fällt dir eine Heidelbeere von der Torte auf dein weißes Hemd, dann weißt du mehr über Farbe, als du gefragt hast.   Die Herstellung von Farbe aus Beeren ist leicht vorstellbar. Sie werden zuerst zerdrückt, Wasser hinzugeben, aufkochen und kurz köcheln lassen. Die Masse und den Sud durch einen Kaffeefilter abseien und schon hat man eine Farbe. Mit den Zusätzen von Alaun und Bindemittel hält die Farbe besser auf dem Untergrund.
Farbstoff & Farbpigment – was ist der Unterschied? Lösen sich die Farbteilchen in einer Flüssigkeit auf, ist es Farbstoff, setzt sich Farbpulver am Glasboden ab, ist es Pigment. Pigment ähnelt in seiner Struktur sehr feinem Sand. In Verbindung mit Wasser erhält man eine Art „Farbschlamm“. Im richtigen Verhältnis ergeben Trenn- und Bindemittel die Farbe, mit der der Maler malt. Trennmittel ist bei wasserlöslichen Farben Wasser, bei Ölfarben das Terpentin.
Die oben hergestellte Farbe würde sich zum Färben von Stoffen, Papieren, Lebensmitteln oder als Tinte eignen. In ihrer Konsistenz wäre sie der Aquarellfarbe ähnlich. Die Lichtechtheit – die „Sternchen“ auf der Farbtube Einen Haken haben die Pflanzenfarben, sie sind nicht lichtecht. Diese wird auf den Tuben der Künstlerfarben mit Sternchen angezeigt. Hier gilt, je mehr, umso stabiler bleibt die Farbqualität wie Sattheit, Leuchtkraft und im Tonwert (sie dunkelt nicht nach und verblasst nicht oder wenig). Pflanzenfarben, wie Indigo, Krapplack-, Karminrot oder jenes „Heidelbeerrot“ sind nicht licht-echt. Karmin wird aus Schildläusen gewonnen, verliert aber ebenfalls seine Leuchtkraft. Wie findet man die Lichtechtheit heraus? In den folgenden sechs Monaten kannst du das hier mitverfolgen. Karminrot & Co Die gänigen Rottöne werden heutzutage chemisch hergestellt und haben eine stabile Licht-echtheit. Der Preis einer Tubenfarbe steht durchaus in Verbindung mit der Farbqualität. Alaun Färbt man ein Kleidungsstück mit einer Naturfarbe, dann würde sie, zusammen mit dem Schmutz, beim Waschen aus dem Stoff herausgewaschen werden. Alaun „verklammert“ die Farbteilchen mit dem Untergrund bzw. mit dem Wäschestück.   Verwendet wurde Alaun von Färbern, Gerbern und Papierherstellern. Alaunsalz findet sich heutzutage u.a. in Deos. Der „Nassrasierer“ kennt den Alaunstift und seine blutstillende Wirkung.   Wurden in einer Region Alaunsalze gefunden, kam damit auch der Wohlstand in die Region. Im 13. Jahrhundert war die wichtigste Handelsdrehscheibe für den gesamten europäischen Handel die Grafschaft Champagne. Die vier Städte Lagny-sur-Marne, Bar-sur-Aube, Provins und Troyes** teilten sich 6 Jahrmärkte pro Jahr. Jeder Markt dauerte zwei Monate, somit war der Handel das ganze Jahr über möglich. Neben Alaun gab es dort noch viel mehr, als das Herz begehrte***. ** Ian Mortimer, Zeiten der Erkenntnis, Piper Verlag, S. 83 ***Victoria Finnlay, Das Geheimnis der Farben, List Verlag, S. 169 William M. Turner & das Karminrot Ein Maler möchte für seine Bilder Farben der besten Qualität haben, sie sollen ja beständig so erhalten bleiben und ihm keine Schande bereiten.   Einem namhaften Künstler war die Zukunft seiner Werke komplett egal, William M. Turner. Er verwendete die Farben, wie sie ihm gefielen. Ob sich das Rot aufgrund seiner Lichtechtheit in Grau oder Braun verwandelte, war ihm gleichgültig. Denn gerade diese Farbe inspirierte ihn beim Malen.   Turner stand seiner fertigen Kunst extrem desinteressiert gegenüber. Er lagerte seine Bilder in den feuchten Ecken des Ateliers, so dass sich in der Folge Schimmel und Risse in den Farbschichten bildeten.   Wer sich mit seinem Leben beschäftigt, gewinnt den Eindruck, dass nur das Reisen und der Moment des Malens wichtig waren. Seine Gleichgültigkeit wirkt befremdlich, denn die Bilder sind das Kapital des Künstlers. Eine mögliche Antwort findet sich in dem Buch „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ von Eugen Herriegel.   Es gibt Zeitdokumente, die beweisen, dass Turner über die mangelnde Qualität einzelner Farben beim Kauf informiert wurde. „Kein Bild von Turner ist auch nur einen Monat, nachdem es gemalt wurde, noch in seiner Perfektion zu erkennen“, schrieb der Kunstkritiker John Ruskin****.   **** Victoria Finlay, Das Geheimnis der Farben, S. 159 Dispersionsfarben Mich erinnert die rasche Veränderung von Farbe an meine ersten Semester an der Kunstakademie. Wir malten u.a. mit Dispersionsfarben, die der Kollege vom Bau zum Abtönen von Wandfarbe an Gebäuden verwendete. Jeder kennt die langgezogenen Flaschen, die im Baumarkt stehen. Ein Bild, das frisch gemalt der Stolz des Tages war, wurde im trockenen Zustand stumpf, farblos und nichtssagend. Wir malten mit diesen Farben aber nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Geldknappheit. Die dann immer billiger werdenden Acrylfarben lösten die Dispersionsfarben ab. Aus Heidelbeeren ein dunkelrotes Farbpigment herstellen Da Pigment ein trockenes Pulver ist und Beeren viel Wasser enthalten, muss es aus der Frucht extrahiert werden. Die knochentrockene Masse wird zertrümmert und im Mörser zu einem Pulver vermalen.
Für die Herstellung von Krapplack-Ersatz verwende ich: - ein Kilogramm Heidelbeeren - Alaun. - Kupfer (1 Cent-Stück) Das Wasser extrahieren Die zerdrückten Heidelbeeren gebe ich in eine Pfanne und lasse sie auf kleiner Flamme köcheln. Die an der Oberfläche sich sammelnde Flüssigkeit schöpfe ich ab. Diesen Vorgang wiederhole ich so lange, bis sich eine „Beerenmasse“ bildet, die einer Grütze ähnelt. Das Kupferstück koche ich mit.
Trocknen Die Masse streiche ich auf einige Lagen Küchenrolle und lege das ganze an einen luftigen, warmen Platz zum Trocknen. Auch noch nach einigen Tagen ist das Gemenge nicht „knochentrocken“, sondern ähnelt eher der Konsistenz von Gummibärchen. Also immer noch zu weich, um es im Mörser zu Pulver zu zerstoßen. Nur mit Luft und Sonne ist der gewünschte Grad an Durchtrocknung nicht erreichbar.
Ab in die Backröhre Auf niedriger Temperatur trockne ich die zerkleinerten Beeren-Gummis im Backofen. Die Temperatur muss möglichst niedrig bleibt, da ansonsten das Pigment dunkel wird. Nach ca. 15 Stunden im Backrohr erreichten die Stückchen die notwendige Struktur. Das Pigment anreiben Mit einem Hammer zertrümmere ich die Heidelbrocken in möglichst kleine Stückchen, gebe eine Handvoll in den Mörser und zerstoße und zerreibe die Teilchen zu einem Pigment.
Wie aus Pigment Farbe wird? Wie Du aus Pigmenten Acryl-, Eitempera- oder Ölfarbe herstellst, kannst du hier nachlesen:
Fazit Es ist eher ein Rezept für Naturfarbenfreaks oder schlechte Zeiten, wenn man nicht mehr an Pigmente kommt. Aber werden die Zeiten schlecht, isst man die Beeren vermutlich auf oder destilliert „Heidelbeergeist“ daraus.   Um ein Gefühl für Pigmente zu bekommen, kann ich nur empfehlen, einmal selbst ein Pigment aus einem Naturstoff herzustellen. Für den Maleralltag sollte man abwägen, ob sich der Aufwand für eine nur bedingt lichtechte Farbe lohnt. Die Anleitung zur Herstellung des Heidelbeerpigmentes findet man im Buch „Werkstoffe und Techniken für das Zeichnen und Malen“ von Hermann J. Heiss auf Seite 122-123. Inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 18 Abs. 2 MStV ist,  Gerhard Marquard, Josef-Kloo-Str. 1b, 86899 Landsberg, 10. April 2021 Mein Text darf gerne in sozialen Medien geteilt oder an Dritte empfohlen werden. Für kommerzielle Verwendung muss  eine schriftliche Genehmigung eingeholt werden. Quellen: Gebhard Schmidl, Klasse für Maltechnik, Kunstakademie München, 1992/94 Kurt Wehlte, Werkstoffe und Techniken der Malerei „Werkstoffe und Techniken für das Zeichnen und Malen“ von Hermann J. Heiss Ian Mortimer, Zeiten der Erkenntnis, Piper Verlag Victoria Finlay, Das Geheimnis der Farben, List Verlag Kunst - geht - so! Der Newsletter Bestätige jetzt meine Empfangsmail, die findest du evtl. im Spam-Ordner. Füge meine Mailadresse in dein Adressbuch ein, sonst landet der Newsletter immer im Spamordner. Bis bald, ich bedanke mich für dein Interesse. Warum du ihn abonnieren solltest? Klicke auf das Logo, dort findest du neben weiteren Infos den letzten Newsletter im Download.
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