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Keile im Keilrahmen der Leinwand

Die Keile im Keilrahmen

 

Der lange Weg von der bemalten Holztafel zum Leinwandbild und der genialen Erfindung des Keilrahmens.

 

 

Etwas zur Geschichte der Malerei

Das kleine Format im Mittelalter

Anfangs waren die Bilder noch klein, ca. 60 x 60 cm. Das Brett für eine Tafel wurde dem Kernholz, dem harten Mittelstück des Baumes, entnommen. Aus dem Kernholz wurden die "Herzbretter" gesägt, und diese wurden zu Tafeln verleimt.

 

Solange die Gemälde klein waren, ging das gut. Aber das bleiben sie nicht. In der Renaissance und dem auftauchenden Reichtum stieg die Frage nach dem Großformat.

Als die Bilder größer wurden

Diese größeren Malgründe erhielt man, indem man entsprechend viele Herzbretter aneinander leimte. Laut Kurt Wehlte waren diese Tafeln handwerklich aber schlecht verarbeitet. Was verwundert, da man aus dem Schiffsbau weiß, wie perfekt die Handwerker damals Holzverbindungen bauen konnten. Auch musste jeder neue fertige Malgrund einer Zunft vorgelegt werden, und diese nahm den Malgrund ab, indem ihr Zunftzeichen auf der Rückseite eingebrannt wurde. Die Künstler konnten also nicht einfach Bretter aneinander kleben und dieses Konstrukt dann als Malgrund verwenden.


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Die Folgen der mangelhaften Verarbeitung

Ein kluger Kopf hatte die Idee, dass man auch auf Leinwand malen und die bemalte Leinwand auf einen Holzrahmen spannen könne. Dieser Holzrahmen ist der verbliebene Rest der Holztafel, auf die das Bild in früherer Zeit gemalt wurde. Daher nennt man ein Leinwandbild immer noch „Tafelbild-Malerei“.


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Abwegig war die Wahl eines Tuches nicht, denn Segel und Fahnen waren auch aus Leinwand und wurden bemalt. Risse ergaben sich nun nicht mehr. Allerdings nimmt fast jedes Gewebe Feuchtigkeit auf. Die Fasern werden bei Leinen dann erheblich länger. Die Leinwandbilder lappten irgendwann im Rahmen am unteren Bildrand.

 

Das Bild musste folglich nachgespannt werden. Die vielen Nägel, die seitlich durch die Leinwand ins Holz getrieben waren, wurden vorsichtig gezogen, das Leinwandbild mit einer Spannzange festgehalten und wieder festgenagelt.

Das bewirkt der Keil im Keilrahmen

Ein weiterer findiger Kopf erfand die Steckverbindung am Keilrahmen. Die Keilrahmenschenkel werden zusammengesteckt, das Maltuch darüber befestigt, grundiert und bemalt. Hängt das fertige Bild nun durch, werden die Keile, die Holzstückchen am Keilrahmen, in die entsprechenden Spalten gesteckt und mit einem Hammer vorsichtig eingetrieben. Der Keilrahmen wird dadurch etwas größer und die Leinwand spannt sich so wieder. Das zeitintensive Ab- und Aufspannen wird so durch einige Hammerschläge ersetzt.

Nessel oder Baumwolle?

Die Notwendigkeit der Keile ist sehr stark mit dem verwendeten Maltuch verbunden. Baumwolle zieht sich bei Nässe zusammen, sie wird enger, wie die frisch gewaschene Jeans, Leinwandfasern werden länger. Die preiswertere Baumwolle findet mittlerweile mehr Verwendung als die Leinwand.

 

Als „Nessel“ wird fälschlicherweise der Baumwollstoff bezeichnet, der in der Malerei Verwendung findet. Nesselfasern wurden aus Brennesseln gezogen. In einem Bauernmuseum habe ich einmal eine Apparatur gesehen, mit der man die Fasern gewonnen hat.

 

 

Nessel hat eine Gewebestruktur wie eine Jeanshose. Für die Malerei keine sehr spannende Oberfläche. Es gibt mittlerweile einen sehr starken Baumwollstoff, der wie eine Leinwand gewebt ist. Dieses Gewebe finde ich persönlich schöner, da das Bild dann auch durch das Gewebe höherwertiger wirkt.

Wie unterscheiden sich brauchbare Keile von nutzlosen?

 

Bei der ganz oben abgebildeten Kauf-Leinwand sind die Keile überflüssig. Einfach schon deshalb, weil ihre Winkel zu stumpf sind. Der Keil würde die Eckverbindung des Keilrahmen zersplittern lassen.

 

Bild links, Keile.

Nur der rechte Keil ist in Ordnung.

Quellen: zum Blog-Artikel

2 Kurt Wehlte, Werkstoffe und Techniken der Malerei, 5. Auflage, ab Seite 21, Der Malgrund als Fundament.

 

©Gerhard Marquard, Landsberg am Lech, Juni 2017

Mein Text darf nur mit meiner schriftlichen Genehmigung verwendet werden.


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