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ZEN im Geiste des Zeichnens


ZEN in der Kunst des ...

… Teetrinkens, des Malens, des Nichthandelns, des Putzens, ZEN und die Kunst, ein Motorrad zu warten und natürlich „ZEN in der Kunst des Bogenschießens“.

 

Zen taucht im Alltag auf, und ich kann Zen-Gedanken annehmen oder sie unbemerkt vorbei fliegen lassen.

 

Vor circa 30 Jahren habe ich das Buch eines Holländers gelesen, der ein Jahr in einem japanischen Zen-Kloster verbracht hatte. Im Buch beschreibt er seinen Klosteralltag und seine ihm zugewiesene Aufgabe, die ihm zur Erleuchtung verhelfen sollte, sein Kōan.

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Deshalb bleibst du unterhalb deiner künstlerischen Möglichkeiten!

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Kōan

Kōan-Rätsel sind für westliche "Hirne" wahrlich eine Herausforderung.

 

Der Schüler bekommt vom Meister sein Kōan aufgetragen und übt sich darin, den Gehalt meditativ zu erfassen und eine Antwort zu finden, die das im Kōan steckende Rätsel auflöst. Der Meister erkennt an seiner Antwort, welchen Bewusstseinszustand sein Schüler erreicht hat und auch, welche Einsicht in das Leben bis zu diesem Zeitpunkt im Schüler herangereift ist.

 

Der Autor beschreibt das so:

Sein Kōan lautete:

 

„Wenn deine rechte Hand in deine linke klatscht, was macht dann deine linke Hand?

 

Jeden Morgen musste er zum Meister, der ihn nach der Antwort fragte, und jeden Morgen antwortete er mit: „Ich weiß es nicht, Meister“.

 

In den ersten Wochen gelingt dies wohl noch ohne größere Selbstzweifel, aber dann nur noch mit einem ganz schlechten Gefühl und nur der Gedanke daran lässt schon den Blutdruck steigen.

Der Marathon-Mönch

In einer Arte-Dokumentation sah ich einmal einen Themenabend zum Thema Zen.

Es ging u.a. um den Marathon Mönch.

 

Jeden Morgen geht er zügig eine lange Strecke (ich weiß nicht mehr, ob es 42 Kilometer waren oder weniger), um durch das Gehen seine Erleuchtung zu erlangen. Nach seinem täglichen Fußmarsch musste er seinen Pflichten als Mönch nachgehen.

 

Ein anderer Mönch, etwa 80 Jahre alt, erzählte, dass er einmal drei Monate gehend verbrachte, ohne zu schlafen. Er ging dabei im Kreis, hatte aber einen Stuhl, auf den er sich, wenn er sehr erschöpft war, kurz zum Ausruhen setzen konnte.

 

Er sagte dazu: „Was für eine großartige Leistung das war, das sehen Sie daran, dass Sie, ein Kamerateam aus Europa, kommt, um mich, einen alten unbedeutenden Mönch in Japan, zu interviewen ...“.

 

Dieser letzten Geschichte hätte ich kaum Glauben schenken können, hätte ich nicht zuvor eine Dokumentation über einen Einhandsegler gesehen, der an einer dreimonatigen Hochseeregatta teilgenommen hatte und ganz alleine sein Boot manövrierte.

 

Er erzählte: „Man schläft nur hier und da 15 Minuten lang, und nur wenn sich ein ruhiger Moment ergibt. Ich muss ja immer aufpassen, was das kleine Boot macht, damit ich nicht kentere.“

zeichnung des Montserrat gebierges
Zeichnung mit schwarzer acrylfarbe und ölkreide

Tortur oder der Weg zur Erleuchtung?

Müsste ein Missetäter zur Strafe drei Monate im Kreis laufen und dürfte sich nur ab und zu auf einen Stuhl zum kurzen Ausruhen setzen, dann wäre dieser Mensch sehr wahrscheinlich gebrochen.

 

Dieser Mönch setzte sich freiwillig dieser Situation aus, um darin seine Einsicht in das Leben zu finden. Ich weiß nicht, ob er Erleuchtung erlangt oder Erkenntnis gefunden hatte, aber überlebt hatte er die Aufgabe ohne psychische Schäden.

 

Jeder von uns kennt wohl irgendwelche Geschichten von Verunglückten, die bis zu ihrer Rettung die lebensbedrohliche Situation gut meisterten.

 

Ein Bergsteiger erklärte, dass er in eine Gletscherspalte gestürzt war und auf die Rettung warten musste. Alles war kompliziert und es vergingen mehrere Tage, bis er wieder in Sicherheit war. Er trug kaum Erfrierungen davon und war mental in guter Verfassung. Er meinte dazu: „Ich hatte mir immer vorgestellt, am Strand in der Sonne zu liegen“.

Zen in der Kunst des Bogenschießens

Eugen Herrigel war ein deutscher Philosoph und lehrte ab 1924 fünf Jahre lang in Japan Philosophie. Ab 1926 nahm er Unterricht im Bogenschießen bei Meister Awa Kenzo. Meister Awa Kenzo hatte einen neuen Stil des Bogenschießens entwickelt, aber mit Zen hatte er sich vorher nie beschäftigt.

 

Herrigel beschreibt im Buch seine Suche nach dem Geist des Zen, das Bogenschießen war das Vehikel dazu.

 

Zurück in Deutschland wurde Herrigel 1929 an der Universität von Erlangen zum Professor ernannt, von 1944-45 war er dort als Rektor tätig.

 

In seinen ab 1937 veröffentlichten Publikationen versuchte er, die Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen deutschen und japanischen Geisteshaltungen darzustellen. U.a. geht es dabei um die innere Einstellung und Haltung der Samurai und um die Verherrlichung des Todes für das Vaterland (Herrigel war aktives Mitglied bei der NSDAP).

 

Alle, die diesen „romantischen“ Kampf um die „Freiheit“ heroisieren, erleben diesen Kampf nur am Schreibtisch sitzend, nicht im Schützengraben. Ihre Parole ist:

 

„Seid nicht feige Leute, lasst mich hinter’n Baum“*.

 

Ray Bradbury („Fahrenheit 451“ von 1953) war jedenfalls von Herrigels Buch so beeindruckt, dass er eines seiner Bücher „Zen, in der Kunst des Schreibens“ betitelte.

 

U.a. schrieb Bradbury, wer etwas über das Schreiben erfahren will, der sollte Herrigels Buch über das Bogenschießen lesen. Dort steht alles, was ein Schriftsteller über das Schreiben wissen muss.

Der Tuschezeichner

Tiefer berührt als Herriegel, den ich nur amüsiert gelesen habe, hat mich folgende Geschichte oder Bericht:

 

Es gibt oder gab, angeblich, ein Kloster in Japan, und eine der Meditationsübungen dort war die Tuschezeichnung.

 

Der Zeichner zeichnete z.B. Kirschblüten. War die Zeichnung fertig, gab er sie in ein Becken mit glühender Holzkohle, worauf sein Kunstwerk verbrannte.

 

Schöne Dinge herzustellen, nicht um diese zu bewahren, auszustellen oder zu verkaufen, sondern der Vernichtung preiszugeben, geht kaum in unsere westlichen Köpfe, ähnlich wie das Kōan. Nach all der Mühe soll doch dabei etwas für uns herausschauen. Eine innere Wertschöpfung, die statt Geld und Ruhm nur den Geist des Tuns in sich trägt, wird, milde ausgedrückt, als nicht nachvollziehbar gesehen.

zeichnung aus dem Kurs, unten Baumstamm, oberer Teil Baum aus dem Park
Zeichnung, parkweg in münchen, tusche zeichnung

ZEN in der Kunst des Zeichnens

Was soll es nun bringen, die eigenen Zeichnungen abzufackeln?

 

Es geht dabei um eine Grenzerfahrung.

 

Wenn ich die Zeichnung unmittelbar nach dem Zeichnen zerstöre, egal wie gelungen sie ist, dann kann ich alle Ideen zulassen.

 

Malen oder zeichnen wir, dann geht es meistens darum, etwas zu können und dies zu zeigen. Besser zu sein als... oder Geld damit zu verdienen.

 

Geld ist ein Argument, denn damit wird das Spiel diesseits des Jenseits eben gespielt, aber „mitgenommen“ hat davon auch noch keiner einen Cent.

 

Es geht bei dieser Art des Zeichnens darum, zu erfahren, wozu ich in der Lage bin, welche Fähigkeiten ich habe, würde ich mich von selbst auferlegten und kulturellen Zwängen nicht beherrschen lassen. Am Ende steht immer die Frage nach dem Wer-bin-ich?

 

Ein bisschen verbranntes Papier und etwas Zeit sind ein günstiges Eintrittsgeld, für vielleicht eine tiefe Einsicht.

 

Die richtige Einstellung des Zeichners:

Wolfe Lowenthal* schreibt in seinem Buch "Es gibt keine Geheimnisse" über den großen Taijimeister Chen-Man-Ch'ing, dass er sich vor dem Tuschezeichnen von einem Glas Whisky

inspirieren ließ.

"Man soll nicht vor Heiligkeit stinken", meinte Chen-Man-Ch'ing

Arbeitstisch im Kurs, zeichentusche skizzen und stifte
das feuer, um die zeichnungen zu verbrennen

Verbrennen und neu anfangen!

Das ist ähnlich wie die „Türentechnik“, die zur Entscheidungsfindung beitragen kann. Dabei stelle ich mir eine Türe vor, durch die ich hindurch gehen kann und mir dabei die Frage stelle: Wie sollte diese Welt dahinter aussehen?

 

Eine verwandte Technik findet sich im Buch von Michael Gelbs, das Leonardo-Prinzip.

 

Eine Aufgabe darin ist, 100 Fragen aufzuschreiben. Nur Fragen – keine Antworten.

 

Die ersten 50 Fragen werden schnell geschrieben sein, das sind die aktuellen Themen. Dann aber werde ich länger reflektieren müssen, denn jetzt kommen die tieferliegenden Fragen, die der Alltag mit seinem "Staub" bedeckt hält.

 

Auf das Zeichnen übertragen:

Ich zeichne eine Idee oder Gesehenes und verbrenne es umgehend. Ich zeichne die nächste und die weiteren Ideen und jede Zeichnung wird verbrannt. Dadurch, dass ich die Qualität der einzelnen Idee und Zeichnung nicht reflektiere, sondern jede ohne zu Hinterfragen zeichne und verbrenne, komme ich irgendwann an immer noch tiefere Gedanken oder handwerkliche Fähigkeiten heran.

 

Abschließend fällt mir dazu nur noch das Sprichwort* ein:

 

Erfahrungen sammelt man wie Pilze:

 

Einzeln und mit dem Gefühl, dass die Sache nicht ganz geheuer ist.


Kurse


*Wolfe Lowenthal, Es gibt keine Geheimnisse, Kolibri Verlag

 

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© Gerhard Marquard, Josef-Kloo-Str. 1 B, 86899 Landsberg am Lech, 9. Juni 2024

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