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Craquelésbildung an Gemälden vermeiden

So manchen hat beim Betrachten seines liebgewonnenen Kunstwerkes buchstäblich der Blitz getroffen. Spinnwebartig ziehen sich über das Bild haarkleine Risse. Man nennt diese Craquelés. Der Name ist leider schöner als die Tatsache. Was ist aber nun passiert? ...

 

Vor zehn Jahren wurde das Bild vom Lieblingskünstler erstanden. Nie wurden Sie es leid, dieses so wundervolle Gemälde zu betrachten, in dessen Gegenwart Sie sich immer so wohl fühlten. Und jetzt das. Risse! Hat der Maler wohl gemurkst, drängt sich als erstes auf. Vielleicht - muss aber nicht sein, denn für Rissbildungen an Ölgemälden gibt es mehrere Gründe.

 

Der Maler kann wirklich durch eine mangelhafte Maltechnik einen Fehler eingebaut haben und nun kommt die Wahrheit in Form von Rissen ans Licht. Ähnlich beim Hausbau - Baupfusch nennt man es dort.

 

Schuld sein kann eine mangelhafte Grundierung oder das verwendete Malmittel. Die besten Malmittel für Ölfarben sind meiner Erfahrung nach die Malmittel auf Alkydharzbasis. Die Nichteinhaltung von Trocknungszeiten kann auch ein Grund sein.

 

In vielen Fällen aber kommen die Craquelés durch unbedachte, nicht sachgerechte Hängung in der Wohnung. U.a. ist der Kunstliebhaber also selber schuld durch unsachgemäße Handhabe seiner teuren Werke.

Das Bild hängt über der Zentralheizung

Ganz, ganz, ganz schlechter Platz!

Warum? Zwischen Wandtemperatur und Raumtemperatur ist durchschnittlich ein Temperaturunterschied von 60 C. Befindet sich unter dem Kunstwerk aber noch ein Heizkörper, dann können leicht 20 Grad Wärmeeinwirkung oder noch mehr erreicht werden. Auf der Bildrückseite (Wandtemperatur!) ist es kühler, auf der Bildvorderseite (Raumtemperatur!) erwärmen sich die Farbschichten stärker. Durch die Temperaturunterschiede kommt es so zu Spannungen in der Malschicht und diese beginnt zu reißen. Ähnlich wie bei einem Erdbeben.

Kachelofenheizung

Räume, die mit einem Kachelofen beheizt werden, können ebenfalls heikel für die Bildkonservierung sein. Ein Kachelofen wird mit Holz befeuert. Der dadurch entstehende Rauch und die Asche lagern sich in Form von Feinstaub im Raum ab. Dieser Feinstaub kann sich schon in nur wenigen Jahren so massiv auf dem Bild ablagern, dass man ihn deutlich sehen kann. Je nach verwendeter Maltechnik. Ein Acrylbild kann mehr ab als ein Ei-Tempera-Gemälde. Hier sind Bilder hinter Glas besser aufgehoben. Scheibe sauber putzen – fertig!

Das Ölbild hängt im dunklen Flur

Ölbilder an einen hellen Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung hängen. Das vermindert das Vergilben. Harze und Öle vergilben in dunklen Räumen.

Papierarbeiten nicht direkter Sonneneinstrahlung aussetzen

Das Papier vergilbt im Sonnenlicht, Hängung also nicht in sehr hellen Zimmern. Hier wäre der dunklere Flur die richtige Optition.

Wie sollte man nun ein Bild präparieren, damit möglichst keine Risse auftreten?

Sie haben kein Museum mit gleichbleibender Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur, in dem Sie Ihre Bilder aufhängen? Dachte ich mir schon. Nehmen Sie eine 3 mm MDF-Holztafel und montieren Sie diese an den rückseitigen Keilrahmen. Die kühlere Luft an der Wand dringt so nicht mehr direkt auf die Leinwandrückseite. Das ist die Königsmethode.

Sie können auch einfach nur eine Buchbinderpappe nehmen und diese an den Keilrahmen tackern, heften oder kleben. Das geht genauso.

So haben Sie weit länger Freude an Ihren Kunstwerken.

 

© Gerhard Marquard, Landsberg am Lech, Juli 2017

Mein Text darf nur mit meiner schriftlichen Genehmigung verwendet werden.


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"Wozu braucht ein Keilrahmen Holzstückchen?"

 


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