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Papier – Leinwand – Holztafel

Der alternative Malgrund zu Papier und Leinwand

Auf Holztafeln zu malen klappt richtig gut. Die sehr günstigen MDF-Holztafeln ergeben einen perfekten Malgrund. Im Farbauftrag stehen sie zwischen Papier und Leinwand. Preiswerte Zuschnitte bekommt man in fast jedem Baumarkt oder beim Schreiner.

Farbe auf Leinwand, insbesondere Öl auf Leinwand, gilt als die Königsdisziplin. Die Leinwand ist anspruchsvoller zu bemalen als Papier oder Holztafel. Auch bereitet die Ölfarbe Anfängern oft Schwierigkeiten aufgrund der langen Trocknungszeit und der schwierigen Handhabung.

Auf Holztafeln zu malen ist schon hinsichtlich der altmeisterlichen Tafelmalerei perfekt. Maltechnisch einwandfrei sind die handelsüblichen MDF-Holztafeln.

MDF bedeutet: Mitteldichte Fasertafel. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass beide Seiten glatt sind. Es gibt auch MDF-Tafeln, die rückseitig mit einem „Waffelmuster“ gepresst sind. Diese lassen sich nicht so gut grundieren und verhalten sich auch beim Malen etwas nachteiliger als die beidseitig glatten Tafeln.

Abb. oben:  "Waffelmuster".

MDF-Tafeln

 

MDF-Holztafeln gibt es in unterschiedlichen Stärken.

Fotos unten: Anschleifen der Tafeln.

Sind die Holztafeln gekauft, müssen sie im Atelier zuerst kurz angeschliffen werden. Bei der Herstellung werden die Holzfasern mit einem „Kleber“ in eine Presse gegeben und gepresst. Damit sich die Tafel unversehrt aus der Presse löst (die Oberfläche der Holzplatte nimmt bei dieser Prozedur leicht Schaden), wird die Presse mit einem Trennmittel besprüht. Dieses klebt nach der Fertigstellung noch an der Tafel und verhindert eine gute Haftung der Grundierung. Also weg damit.

Nach dem Schleifen entfernt man den Holzstaub mit einem feuchten Lappen.

Die Grundierung

Für den Farbauftrag mit Acrylfarben kann man in der Regel eine der angebotenen Fertiggrundierungen aus dem Handel verwenden. Die Grundierung wird bis zur guten Streichfähigkeit mit Wasser verdünnt und anschließend aufgetragen. Mehrmalige dünne Farbaufträge sind besser als wenige dicke Farbaufträge. Immer daran denken, bricht die Grundierung, dann bricht auch die Farbe vom Bild!

Ich rühre meine Grundierungen immer selbst an, ich kenne daher die Zusammensetzung und weiß, wie stark sie saugen. Für die Herstellung der Grundierung benötigt man einen zylindrischen Behälter. Man gibt etwa halb so viel Wasser hinein als man später fertige Grundierung haben möchte. Dann kommen das Substrat und etwas weißes Pigment hinzu. Erst wenn das Wasser „gesättigt“ ist, wird mit dem Rührstock die Grundierung angerührt – vorher nicht! Letzter Bestandteil dieser angerührten Lösung ist der Acrylbinder.

Die Menge des hinzugefügten Binders entscheidet über die Saugkraft der Grundierung. Acrylfarben sind wesentlich unempfindlicher als Ölfarben. Auswahl des Substrats und Saugkraft der Grundierung beeinflussen jedoch ganz wesentlich den Farbauftrag und den Duktus der Ölfarben. D.h. im Klartext: Passt die Grundierung nicht, kämpft man während des Malens ständig mit der Maltechnik. Und dadurch kann man sich weniger auf die Gestaltung konzentrieren.

Man kennt diese Problematik vielleicht auch vom Bemalen der preiswerteren Kaufleinwände. Die Oberfläche der grundierten Leinwand ist so „glatt“, dass die Farbe nicht gut „angeschlagen“, also aufgemalt werden kann.

Grundieren mit einem Syntetic-Haar-Pinsel
Grundieren mit Gesso

Zum Auftragen der Grundierung kann man einen Lammfellroller oder einen Nylonpinsel verwenden. Nylon-Flächenstreicher sind zu empfehlen, da sie seltener Pinselhaare auf der Grundierung hinterlassen.Man grundiert die Tafeln etwa drei bis fünf Mal. Die einzelnen Farbschichten dünn auftragen. Zwischen den Farbaufträgen jede Schicht trocknen lassen. Die trockenen Grundierschichten können vor jedem neuen Auftrag nochmals etwas angeschliffen werden. Kleine Unebenheiten in der Grundierung werden so ausgeglichen.

Wer also die wenige Mühe nicht scheut, erhält mit „seiner eigenen Grundierung“  sehr preiswerte und hervorragende Malgründe. Es ist wirklich einfach. Wer in seinem Leben schon einmal tapeziert und eine Wand gestrichen hat, schafft das.

©Gerhard Marquard, Landsberg am Lech, August 2017

Mein Text darf nur mit meinem schriftlichen Einverständnis verwendet werden. Er darf weder verbreitet, anderswo veröffentlich – auch nicht auszugsweise, und auf keinen anderen Medien in irgendeiner Weise verwendet werden.


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