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Das Polaroid des 17. Jahrhunderts – Zeichnung, Tinte laviert

 

 

Die Lavierung ist die wichtigste Technik im Leben! In der Kunst auch. Mittlerweile vielleicht eher in der Selbstdarstellung.

 

Sehe ich eine interessante Situation und möchte ich einen Schnappschuss machen, dann raus mit dem Smartphone und abfotografiert. So schnell ging das ja nicht immer ...

 

 

Wollte ein Maler zu Zeiten vor der vereinfachten Fotografie eine Situation festhalten, dann musste er zeichnen. Hat man aber nur Augenblicke Zeit, braucht man eine Technik, die schnell und unkompliziert funktioniert. Tinte laviert eben!

 

Esplanada, Alicante, Spanien
Esplanada, Alicante, Spanien

 

Poussin hat viele seiner Bildentwürfe in dieser Technik gezeichnet. Um ein Bild zu malen stellt man seine Figuren, Formen usw. oft um. Das geht solange, bis die richtige Komposition gefunden ist. Wenn man schon anfangs weiß, dass man viele Zeichnungen brauchen wird, dann sollte die einzelne Zeichnung nicht viel Arbeitszeit verschlingen. Der Maler will sein Ergebnis schnell. Noch schneller brauchte er die fertige Zeichnung, wenn der Auftraggeber neben dem Maler saß, und der Maler die Idee des Auftraggebers in einer Zeichnung umsetzen musste. Je schneller er zeichnen konnte, und wenn diese Zeichnungen auch noch in Windeseile gut aussahen, umso überzeugender war der Maler – und vermutlich höher auch sein Honorar.

 

Aber was haben nun diese diabolischen Schnellzeichner gemacht?

 

Hutverkäufer am Strand, Costa Blanca
Hutverkäufer am Strand, Costa Blanca

 

Tinte tauchte vor ca. 3000 Jahren v. C. auf. Ruß wurde mit Wasser vermischt und mit dieser Mischung konnte man damals schon schreiben oder zeichnen. Ohne Bindemittel hält das natürlich schlecht. Ist das Wasser getrocknet, bindet sich der Ruß nur noch in den Poren des Gewebes oder Untergrundes. Um eine bessere Konservierung zu erhalten, wurde dem Wasser etwas Gummi arabicum beigemischt. Wir kennen das von der Rückseite von Briefmarken. Ablecken, aufkleben, hält!

 

Eine Zeichnung in Tinte ausgeführt, kann schnell überzeugend wirken. Der schwarze Strich auf dem weißen Papier wirkt schon allein durch den polaren Hell-Dunkel-Kontrast. Überarbeitet man nun seine Zeichnung mit Wasser, fließt die Tinte aus. D. h. die Tinte wird sozusagen zu einer Art Wasserfarbe. Der Farbton kann dabei von zart-wolkig bis zu dunkel wirken. Je nachdem, wie stark die Tinte aufgetragen wurde. So entsteht eine Zeichnung mit weichen Übergängen und getönten Flächen. Das sieht schnell sehr malerisch aus.

 

 

Paar am Strand
Paar am Strand

 

Ich habe in meinem Kurs „Reiseskizzen“ Teilnehmer die mir immer wieder sagen, „ich komme aus meinem Urlaub mit mehr als 500 Digitalfotos und ich sehe sie mir nicht an. Sie bedeuten mir eigentlich nichts. Aber ich hätte so gerne Erinnerungen zum Ansehen und Anfassen“.

 

Auch ein Anfänger, der sich mit dem Zeichnen beschäftigt, kann mit der Technik „Tinte, laviert“ schnell Erinnerungen selbst grafisch niederzeichnen. Wer Dokumente unterschreiben kann, also „Unterzeichnen“, kann auch diese Zeichentechnik bis zu einem bestimmten Punkt erlernen. Denn Tinte laviert sieht schnell gut aus.

 

Bad Heilbrunn, Balkon, Waldrast
Bad Heilbrunn, Balkon, Waldrast

 

© Gerhard Marquard, Landsberg am Lech, 1. Februar 2017

 

Mein Text darf nur mit meiner schriftlichen Einverständnis-Erklärung verwendet werden.

 



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